Baltisches Cow-Wow

Baltisches Graslandrind
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Transgourmet Vonatur Baltisches Graslandrind
Auf der rumpeligen Schotterstraße, die uns zu Ieva Galina führt, ist die pulsierende Ostseemetropole Riga plötzlich ganz weit weg. Das Gebiet rund um die Kleinstadt Madona im Osten des Landes ist spärlich besiedelt, die Landschaft geprägt von dichten Wäldern, weiten Grasebenen und kleinen Seen. Es ist ein Land, dem etwas Melancholisches anhaftet. Aber auch etwas Lebensbejahendes, Freudvolles. Und Ieva Galina ist die personifizierte Lebensfreude.
 
 
Wo die wilden Rinder wohnen
Auf einem kleinen Hügel am Ende des Waldstückes empfängt sie uns mit einem breiten Lächeln im Gesicht, die nackten Füße in Sandalen gesteckt, in kurzer Jeans und schwarzem T-Shirt. Nach dem Studium in Riga hat es sie hierhergezogen, den Hof hat sie gemeinsam mit ihrem Mann über elf Jahre hinweg langsam aufgebaut. 190 Hektar Fläche bewirtschaften sie heute, auf ihren Weiden grasen 55 Mutterkühe, 20 Kalbinnen, einige Mast- und zwei Zuchtbullen. Die sind, wie Ieva betont, „de facto Wildtiere, die bei extremer Hitze oder Kälte schon in den Stall gehen, aber eigentlich am liebsten draußen sind“. Die Galinas haben sich deshalb für Angusrinder entschieden, weil die Rasse anspruchslos, robust und das Fleisch von hoher Qualität ist. Ievas Kälber wachsen acht bis zehn Monate lang bei ihren Müttern auf, Milchersatzprodukte oder Import-Soja zu verwenden, ist ihr und allen anderen baltischen Graslandrinderbauern untersagt, Sommerweide und Winterauslauf sind ebenfalls verpflichtend. Ieva sagt, es gehe ihr nicht nur darum, ihren Tieren ein artgerechtes Leben zu ermöglichen. Sondern auch um den Erhalt einer einzigartigen Kulturlandschaft. „Wir pflegen die traditionelle, extensive Landwirtschaft auch für unsere Kinder. Es ist unsere Pflicht, dieses Land genau so und nicht anders zu bearbeiten.“
 
 
Ganz oder gar nicht
Im Alter von 16 bis 24 Monaten kommen Ievas Tiere in den Schlachthof von Familie Butènè, der südwestlich von Madona im litauischen Biržai liegt. Der Schlachthof ist eine von zwei Graslandrind- Schlachtereien, und wie uns Daina Butènè erklärt, geht es auch bei ihrer täglichen Arbeit im besten Wortsinn ums große Ganze. „Für uns steht das Wohlergehen der Tiere – von der Abholung auf den Höfen bis zur Schlachtung – natürlich an oberster Stelle“, sagt Daina. „Aber es ist uns auch wichtig, keine Ressourcen zu verschwenden. Wir haben mittlerweile etwa eine Biogas-Anlage, die Strom für die Schlachterei liefert. Und wir zerlegen für das Graslandrind-Projekt nose-totail.“ Daina findet, die Antwort auf die Frage, wie man heute perfekte, nachhaltige Fleischqualität liefern könne, liege im Wissen von gestern: „Mensch, Tier und Umwelt mit Respekt und Wertschätzung behandeln. Ganz einfach.“
 
 
Schaffen und bewahren
Zurück in Lettland besuchen wir noch die Farm von Alma Berzina und ihrem Mann Salvis in der Region Bauska. 2015 haben die Diplom-Agronomin und der Ex-Bartender hier 70 Hektar Land und ein kleines Haus gekauft, seit 2016 ziehen sie für das Baltic-Grassland-Beef-Projekt 30 Tiere pro Jahr auf. Zukünftig sollen es bis zu 70 werden, weshalb das Paar gerade neue Stallungen baut. „Aber es wird wohl noch ein weiterer Winter ins Land ziehen bis dahin, denn wir können immer nur Stück für Stück in den Ausbau investieren.“ Trotzdem: „Landwirtschaft zu betreiben, wie wir es tun, hat etwas zutiefst Erfüllendes. Alles ist ständig in Bewegung, und man sieht Jahr für Jahr, was man geschaffen hat.“ Die Berzinas kaufen in Mutterkuhhaltung aufgezogene Kälber – Kreuzungen aus unterschiedlichen Fleischrassen – und ziehen sie auf, bis sie etwa zwei Jahre alt sind. Dass die Rinder ihre Hörner behalten dürfen, ist für Alma, die zuvor als CEO für Vianco, den Partnerbetrieb des baltischen Graslandrind-Projekts in Litauen, tätig war, ebenso logisch wie ganzjähriger Auslauf und natürliches Futter. Vor der kleinen Stallung, wo wir vor unserer Fahrt zum Flughafen noch mit Alma und ihrem Mann über Pläne für die Zukunft plaudern, scharen sich einige Kühe um uns und beschnuppern uns neugierig. „Rinder“, sagt Alma, „sind sehr kluge Tiere. Es gibt zum Beispiel Nannys in der Herde, die auf die kleineren Rinder aufpassen.“ Alma sagt, diese Erfahrungen und dieses Wissen wolle sie an ihre Kinder weitergeben. Und das gehe nirgendwo besser als genau hier, genau so.

 

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